Die Sammlung

Blick in die Abteilung «Bildnerei von Geisteskranken» an der Documenta 5 den von Wölfli bemalten Schränken und Kunstwerken aus der Morgenthaler-Sammlung. Foto von Werner Lengemann, 1972 (© Documenta-Archiv).

Der Berner Psychiater Walter Morgenthaler (1882-1965) sammelte ab 1913 und bis künstlerische Patientenarbeiten und Objekte aus dem Alltag der Psychiatrie. Diese sogenannte Sammlung Morgenthaler bildet den Kernbestand der Museums-Sammlung. Sie zählt mit der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg und der Collection de l’Art Brut in Lausanne zu den wichtigsten Sammlungen von Kunstwerken der sogenannten ‘outsider art’ oder ‘art brut’ vor 1945, die noch unbeeinflusst von Erwartungen des Kunstmarkts entstanden sind.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Morgenthaler Adolf Wölfli (1864-1930), von dem er mehrere Werke in seine Sammlung aufnahm. Wölfli bemalte auch Vitrinen und Schränke, die im Museum ausgestellt sind. Der Gesamtbestand umfasst rund 5’000 Werke von rund 300 Patientinnen und Patienten. Dazu gehören u.a. Constance Schwarztlin-Berberat (1845-1911), Heinrich Anton Müller (1869-1930), Hans Fahrni (1874-1939) und Rosa Marbach (1881-1926) sowie noch weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler wie Oskar Bütikofer (1860-1925), Lina Cécile Colliot Schaffter (1867-1937), Louise Deci (1846-1919), Marie von Fischer-von Sinner (1868-1956), Marie Füri (1893-1929), Friedrich Kohler (1875-1960), Emma Marti (1870-1949) und Karl Schneeberger (1880-1948). Nur ein ganz kleiner Teil der Werke ist im Museum ausgestellt.

Mit seinem Buch «Adolf Wölfli. Ein Geisteskranker als Künstler» von 1921 machte Morgenthaler Wölfli und die Kunst psychiatrischer Patientinnen und Patienten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und lieferte einen entscheidenen Impuls für die Kunst-Avantgarde in der Zwischenkriegszeit. Erneute Aufmerksamkeit erhielt die Sammlung durch Jean Dubuffet ab den 1940er Jahren und durch Harald Szeemann, der an der Documenta 5 in Kassel 1972 Wölflis Zelle rekonstruierte und einen Raum des kleinen Waldau-Museums mit weiteren Kunstwerken der Sammlung ausstellte.

Ab 1963 kümmerte sich Heinz Feldmann, Mitarbeiter des technischen Dienstes der Waldau, um die Sammlung und begann, sie mit rund 5’000 Objekten aus dem Klinikalltag und dem Betrieb zu erweitern wie z.B. Instrumente aus der Forschung, Geräte aus dem Landwirtschaftsbetrieb, Betten, elektrische Installationen etc.

Mit der Neu-Eröffung des alten Museums als Psychiatrie-Museum Bern 1993 setzte auch wieder das Sammeln von künstlerischen Arbeiten ein, schwerpunktmässig von ehemaligen Patientinnen und Patienten aus der Klinik, die oft auch in Kunstwerkstatt Waldau arbeiteten und arbeiten. Dazu gehören u.a. Daniel Curty (1960-2013), Ursula Demmler (1962), Gabor Dios (1953-2020), Annemarie Flückiger (1945), Martin Flückiger (1970), Marco Güdel (1983), Gordian Hannemann (1958), Hermann Kammer (1922-1987), Winfried Keusch (1934-2006), Heinz Lauener (1977), Bruno Layer, Louisa Johanna Morgentau (1962), Margrit Roth (1955-2013), Philippe Saxer (1965-2013), Jonas Scheidegger (1981).

Der Grossteil der Kernsammlung Morgenthaler ist in einer Datenbank erfasst, der Rest ist zumeist auf Karteikarten verzeichnet. Aktuell (2026) wird ein grösseres Projekt geplant, um die gesamte Sammlung besser zu lagern und zu inventarisieren. Mittel- bis längerfristig soll die Sammlung online einsehbar sein.

Für weitere Informationen vgl. den Wikipedia-Eintrag zur Sammlung Morgenthaler.